Der GKV oder Deine Krankenkasse hat dir geantwortet - Du hast ein Standardschreiben erhalten – Was kannst du nun tun?

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Fran Za
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Der GKV oder Deine Krankenkasse hat dir geantwortet - Du hast ein Standardschreiben erhalten – Was kannst du nun tun?

Beitragvon Fran Za » Di 19. Mai 2015, 19:28

(kompetent zusammengestellt von Michaela Scott)

Individuell antworten.

Was muss ich dabei berücksichtigen?

Weniger gut kommt die „Herr-Lehrer-ich-weiß-was-Haltung“. Also lieber keine seitenweisen ausführlichen Erläuterungen darüber, welches der genannten Kriterien wie auszulegen und zu verstehen ist. Entsprechende Links zu Studien und Verweisen – um zu zeigen, dass man sehr wohl verstanden hat, worum es geht, natürlich gerne.

Im Kern geht es um die Beschneidung des Selbstbestimmungsrechtes der Frauen. Der GKV-SV unterstellt den Müttern, dass sie zugunsten eines speziell gewünschten Geburtserlebnisses bereit sind, das Leben ihres Kindes/ihrer Kinder zu riskieren.

Bei sich selbst bleiben. Viele Krankenversicherungen bieten Beratungen zu „mündigen Patientenentscheidungen“ an. Dies sprechen sie den Frauen nun ab.
Fordern! Was will man konkret, dass der GKV-SV / die Krankenkasse tun soll:

Ich fordere Sie deshalb auf, von dieser geplanten Neuregelung abzusehen…
Ich fordere Sie deshalb auf im Sinne der Sicherheit und Qualität in der Geburtshilfe ausschließlich mit evidenzbasierten Kriterien im Zusammenhang der individuellen Betrachtung meiner persönlichen Situation zu arbeiten.

Rechte erklären:
Ich behalte mir das Recht zur Klage vor…
Einer möglichen Sammelklage werde ich mich anschließen…

Gerne auch mal polemisch/polarisierend werden
Ich fordere Sie deshalb auf, den Kliniken Kaiserschnitte nur noch in Anerkennung der tatsächlichen medizinischen Indikation (WHO 12 – 15 Prozent) zu vergüten.
Ich fordere Sie deshalb auf, Unfälle durch Risikosportarten oder „Genuss“ von Alkohol oder Drogen von der Kassenleistung auszunehmen. ….








Schilderung der Situation
IST - Situation:
Kriterien nach Punkt 2 - Konsil/Teamentscheidung ABER: Frau hat das letzte Wort! Sie kann bspw. diese geforderten Untersuchungen auch folgenlos ablehnen und dennoch "bezahlt" entbinden.

ZUKUNFT nach GKV:
Kriterien nach 2. Facharztkonsil. Der entscheidet. Die Frau DARF außerklinisch nur entbinden, wenn sie selbst die Kosten dafür übernimmt.

*******
Wo ist der Haken? Der ist der Teufelskreis.
Kein Arzt wird aus Angst vor möglicher Haftung eine Freigabe geben.
Eine Hebamme wird auch, wenn du es dir leisten könntest, aus Angst vor einer Haftung die Geburt nicht außerklinisch durchführen.
Frauen haben kein Selbstbestimmungsrecht mehr.
***
Was wird außerdem passieren?
In den Kliniken werden Schwangerschaften noch früher einleiten als bisher.
Stress und Sorge werden zu Befunden führen, die eine Interventionskaskade in Gang setzen.
Das alles aufgrund medizinisch nicht belegter Ausschlusskriterien.
++++


Qualitätskriterien? Wovon sprechen die eigentlich?
Diese Kriterien gelten heute bereits für HgEs (Hebammengeleitete Einrichtungen/Geburtshäuser)
(ab Seite 22 des PDF)

Zu finden hier: http://www.gkv-spitzenverband.de/media/ ... 012013.pdf

Lesenswert ist die Vorbemerkung zu den Ausschlusskriterien.

!!!! Aktuell steht dort:
§ 9 Ausschlusskriterien für Geburten in HgE (Stand: 12.03.08)
„Im Folgenden sind Befunde und Risiken aufgeführt, die eine Geburt in einer HgE im Sinne des Ergänzungsvertrages ausschließen oder nur unter bestimmten Bedingungen möglich machen. Dieser Kriterienkatalog wurde erstellt unter Berücksichtigung vorhandener Leitlinien der vertragsschließenden Verbände der Hebammen und Hinzuziehung des medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS). Es ist zu berücksichtigen, dass diese Ausschlusskriterien nicht evidenzbasiert sind und dass zukünftige Evidenzen sowie neue Behandlungsmethoden in den Katalog Eingang finden können. Die Ausschlusskriterien beziehen sich auf die Beurteilung des Risikos vor der Geburt, wobei zwischen anamnestischen und befundeten Risiken unterschieden wird.
Die Wünsche der Versicherten sind bei der Entscheidungsfindung einzubeziehen sowie die Patientenrechte zu wahren. Bei einer geplanten Geburt mit im Verlauf der Schwangerschaft diagnostizierter infauster Prognose oder intrauterinem Fruchttod ist eine Geburt in der HgE möglich in Abwägung potentieller Gefahren für die Mutter. Qualität wird in erster Linie durch die Betreuungsformen und -inhalte bestimmt, sie kann nicht allein durch Ausschlusskriterien garantiert werden. Der folgende Kriterienkatalog gibt eine Orientierungshilfe in Richtung auf ein Versorgungskonzept, das die HgE hinsichtlich ihres Leistungsprofils in Analogie zur Vereinbarung des Gemeinsamen Bundesausschusses über Maßnahmen zur Qualitätssicherung der Versorgung von Früh- und Neugeborenen in der jeweils aktuell geltenden Fassung beschreibt.

!!! künftig soll nach Willen des GKV-SV dort stehen:
Die Entscheidung zur Geburtshilfe im häuslichen Umfeld erfolgt in interaktiver und kommunikativer Form zwischen der Hebamme und der Versicherten und basiert auf den Prinzipien der partizipativen Entscheidungsfindung, sofern die Analyse der Ausschlusskriterien und des Gefährdungspotentials von Mutter und Kind dem nicht entgegenstehen.

Studie Dauer Schwangerschaft
http://www.greenbirth.de/Hum._Reprod.-2 ... det297.pdf

Leitlinien Terminüberschreitung/Übertragung
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitli ... 2-2014.pdf


Protokoll Anhörung
Darin Nils Hellberg, GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherer):
„Wir haben es mit einer vergleichsweise niedrigen Zahl von Personengroßschäden zu tun. So etwa zehn, maximal fünfzehn Schäden pro Jahr, das kann mal mehr, mal weniger sein. Selbst bei den größten Präventionsanstrengungen lassen sich nicht sämtliche Geburtsschäden verhindern. Das kann gar nicht sein“
Darin SV Johann-Magnus Frhr. von Stackelberg (GKV-Spitzenverband):
Wir begrüßen die Regelungen zu Qualitätssicherung im Gesetz sehr. Wir freuen uns auch, dass wir die Vertragsverhandlungen sehr weit vorangetrieben haben, aber wir sind tatsächlich bei einem Punkt noch im Dissens. Das ist die Frage, inwieweit die freie Wahl des Geburtsortes der Mutter mit gesundheitlichen Aspekten des ungeborenen Kindes abzuwägen ist. Es würde uns tatsächlich helfen, wenn der Gesetzgeber klarstellen würde, dass sowohl der Gesundheitszustand der Mutter als auch der Gesundheitszustand des ungeborenen Kindes Kriterien sind, die in den Qualitätsvorgaben zu berücksichtigen sind. Aus unserer Sicht gibt es kein überwiegendes Kriterium, so dass immer die freie Wahl der Mutter den Vorrang hat. Auch im Krankenhaus werden bei bestimmten Fällen die Mütter nicht um Erlaubnis gefragt, wenn medizinische Aspekte dafür sprechen, dass in höherwertige Kliniken usw. verlegt wird. Insofern wären wir Ihnen sehr dankbar, wenn Sie uns helfen könnten, dass beides gleichwertig wird. Dann bin ich sehr optimistisch, dass wir aus dieser Falle herauskommen. Wenn nicht, müssten wir letztlich über das Schiedsamt gehen und das Schiedsamt könnte sagen, nein, wir sind genauso wenig entscheidungsfähig wie die Vertragspartner.
http://www.bundestag.de/blob/371426/2b5 ... l-data.pdf

Artikel GKV zur Senkung Kaiserschnittrate durch mehr außerklinische Geburten
http://www.bfhd.de/images/pdf/Artikel_a ... litik_.pdf

Selbstbestimmungsrecht
„Eine Behandlung darf grundsätzlich nur mit der Einwilligung oder - in Notfällen - der mutmaßlichen Einwilligung des Patienten erfolgen (§ 630d BGB). Eine ohne wirksame Einwilligung erfolgte Behandlung ist zum einen als Körperverletzung strafbar und begründet zum anderen eine Schadensersatzpflicht.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Patientenrecht
„Jeder ärztliche Heileingriff erfüllt nach gängiger Rechtsprechung den Tatbestand der Körperverletzung. Zu den Heileingriffen zählen nicht nur therapeutische, sondern auch diagnostische Maßnahmen. Bei der Aufklärung sind das Selbstbestimmungsrecht, die Autonomie und die Entscheidungsfreiheit des Patienten zu berücksichtigen. Somit genießt der Wille des Patienten für oder gegen einen Eingriff eindeutig Vorrang auch vor einer mitunter sachgerechteren Einschätzung durch den Arzt.“
http://www.aerzteblatt.de/archiv/64642/ ... tsprechung

vergleichende Studie Geburten in Geburtshäusern/klinische Geburten
u.a. vom GKV mit initiiert
http://quag.de/quag/hge.htm

Interministerielle Arbeitsgruppe IMAG Hebammenhilfe
http://www.frauengesundheit-berlin.de/f ... Gesamt.pdf

Faktencheck Kaiserschnitt
https://kaiserschnitt.faktencheck-gesun ... fehlungen/
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"Start where you are. Use what you have. Do what you can"

guyhofmann

Re: Der GKV oder Deine Krankenkasse hat dir geantwortet - Du hast ein Standardschreiben erhalten – Was kannst du nun tu

Beitragvon guyhofmann » Mi 29. Jul 2015, 20:38

Defekter Link?

ausgerechnet der Link unter
Faktencheck Kaiserschnitt
https://kaiserschnitt.faktencheck-gesundheit.de/fachinformation/handlungsempfehlungen/

zeigt "Fehler" - zumindest wenn ich ihn aufrufe.

Geht das nur mir so oder ist das ein permanenter Fehler?



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